Westlich von Verona, zwischen Weinbergen, kleinen Dörfern und den Ausläufern der Lessinia liegt das Valpolicella. Bekannt ist die Region vor allem für ihren Amarone – dabei lohnt es sich, hier ein paar Tage zu bleiben. Ich habe vier Tage im Valpolicella verbracht, bin die Strada del Vino entlanggefahren, durch Weinberge und kleine Orte spaziert und habe natürlich auch den Wein dort probiert, wo er wächst.
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ToggleWo liegt das Valpolicella – und wie viel Zeit sollte man einplanen?
Das Valpolicella liegt westlich von Verona, eingebettet zwischen der Stadt, dem Gardasee und den Ausläufern der Lessinia. Diese Lage macht die Region zu einem idealen Ausgangspunkt, um verschiedene Facetten Venetiens zu erleben, ohne dabei ständig von Ort zu Ort zu fahren. Ein Auto ist empfehlenswert – die kleinen Straßen zwischen den Weindörfern erschließen sich am besten auf eigene Faust und im eigenen Tempo.
Für Wein, Landschaft und gutes Essen sind drei bis vier Tage ideal. Das gibt genug Raum für Weinproben, Spaziergänge durch die Weinberge und ausgedehnte Mittag- oder Abendessen. Verona und der Gardasee lassen sich wunderbar ergänzen – als Tagesausflug oder als Auftakt beziehungsweise Abschluss der Reise. Sie müssen aber keineswegs die Hauptrolle spielen: Das Valpolicella ist selbst eine Reise wert.
Unterwegs auf der Strada del Vino Valpolicella
Die Strada del Vino Valpolicella führt mitten ins Herz der Region. Wir sind den landschaftlich schönen Abschnitt von San Pietro in Cariano über Marano nach Fumane gefahren. San Pietro in Cariano, ein alter Ort, der einst unter den Scaligern aufblühte, ist ein guter Ausgangspunkt. Zahlreiche historische Adelssitze erinnern an diese Zeit, darunter die Villa Santa Sofia, ein nie vollendeter Entwurf von Andrea Palladio. Sehenswert ist auch die Pieve di San Floriano, eine der ältesten Kirchen der Region.
Von dort führt die Strecke über Marano nach Fumane – vorbei an Weinbergen, Olivenhainen und einzelnen Zypressen. Unterwegs lohnt es sich immer wieder anzuhalten und die Aussicht über die Weinlandschaft zu genießen.
🚶🏻➡️Spaziergang durch die Weinberge
Die Landschaft rund um Fumane eignet sich wunderbar für einen Spaziergang durch die Weinberge. Der Percorso Enoteca della Valpolicella beginnt und endet nach knapp einer Stunde an der Enoteca della Valpolicella.
Um den richtigen Weg zu finden, empfehle ich aus Erfahrung gute Navigation.
Enoteca della Valpolicella
In Fumane liegt der ideale Mittagsstopp auf der Runde entlang der Strada del Vino. Die Küche der Enoteca ist saisonal, arbeitet mit regionalen Produkten und hat einen bodenständigen, unaufgeregten Charakter. Bei der Herstellung der frischen Pasta kann man zusehen, die Weinauswahl konzentriert sich auf die Region.
San Giorgio di Valpolicella – Aussicht über die Weinlandschaft
Von der Foresteria aus führte uns eine Wanderung hinauf nach San Giorgio di Valpolicella. Nicht ohne Grund trägt der Ort den Beinamen „Ingannapoltron“ – zu Deutsch etwa „Faulenzer-Falle“: Von unten wirkt San Giorgio zum Greifen nah, tatsächlich zieht sich der Weg über die kurvige Nebenstraße deutlich länger, als man zunächst denkt.
Oben angekommen, öffnet sich der Blick über die Weinberge bis zum Gardasee. Sehenswert ist außerdem der Parco Archeologico rund um die Pieve di San Giorgio.
Trattoria Dalla Rosa Alda
Eine traditionsreiche Adresse in San Giorgio ist die Trattoria Dalla Rosa Alda. Das seit 1853 familiengeführte Restaurant serviert traditionelle Gerichte der Region und hausgemachte Pasta.
Wein im Valpolicella: Amarone, Serego Alighieri und Masi
Valpolicella ist die Heimat des Amarone – jenes kräftigen Rotweins, der aus getrockneten Trauben nach der traditionellen Appassimento-Methode entsteht.
Auf dem Weingut Serego Alighieri wird die lange Weintradition der Region besonders greifbar. Bereits Dantes Sohn Pietro erwarb hier im 14. Jahrhundert Land. Seit 1973 arbeitet das Weinhaus Masi mit der Familie zusammen und unterstützt sie bei Produktion, Vermarktung und Vertrieb ihrer Weine.
Monteleone21 – moderne Weinarchitektur als Kontrast
Ein völlig anderes Bild von Wein zeigt sich nur wenige Minuten entfernt: Monteleone21, der neue Hauptsitz von Masi. Das 2025 eröffnete Besucherzentrum ist schon wegen seiner Architektur sehenswert.
Im Zentrum steht die zwölf Meter hohe Halle für die Appassimento-Traubentrocknung. Lokaler Stein, begrünte Dachflächen und die Einbettung des Gebäudes in die Landschaft verbinden moderne Architektur mit der Weinregion.
Zum Besucherzentrum gehören die Enoteca Masi, eine Wine Bar und das Restaurant Locanda Costasera. Angeboten werden außerdem Führungen und unterschiedliche Weinverkostungen.
Nach den jahrhundertealten Gemäuern von Serego Alighieri ist Monteleone21 ein spannender Kontrast und zeigt eine sehr zeitgenössische Seite des Valpolicella.
Kulinarisches Valpolicella: meine Tipps
Die Küche des Valpolicella ist bodenständig und regional geprägt. Hausgemachte Pasta spielt eine große Rolle, dazu kommen Produkte aus dem Valpolicella und der Lessinia. Wer durch die Region reist, sollte sich deshalb auch für die kulinarische Seite Zeit nehmen.
🍽️ Was man probieren sollte
Tagliatelle & Tortellini: Hausgemachte Pasta gehört zu vielen Speisekarten, beispielsweise Tagliatelle mit Steinpilzen oder anderen saisonalen Saucen.
Trüffel aus der Lessinia: Die Hügel der Lessinia sind für ihre Trüffel bekannt, die beispielsweise zu Pasta serviert werden.
Risotto all’Amarone: Risotto, das mit dem berühmten Rotwein der Region zubereitet wird – kräftig und aromatisch.
Polenta: Eine klassische Beilage der Veroneser Küche, häufig zu Fleisch-, Pilz- oder Schmorgerichten.
Bollito misto: Verschiedene gekochte Fleischsorten mit Saucen – eine traditionelle, eher deftige Spezialität.
Amarone & Recioto: Der trockene Amarone und sein süßer Verwandter Recioto prägen nicht nur die Weinkarten, sondern werden auch in der Küche verwendet.
Monte Veronese: Regionaler Käse aus den Lessinischen Bergen, der als Vorspeise, Bestandteil verschiedener Gerichte oder zum Abschluss serviert wird.
Ristorante Groto de Corgnan
Gleich am ersten Abend sind wir zu Fuß von der Foresteria zum Groto de Corgnan gelaufen. Die rund 2,5 Kilometer waren nach der Anreise ein schöner Spaziergang und endeten mit einem ausgezeichneten Abendessen auf der gemütlichen Terrasse.
Der Familienbetrieb steht für hausgemachte Pasta und Gerichte mit Produkten regionaler, familiengeführter Betriebe. Das Restaurant ist gehobener als eine einfache Osteria, die Weinkarte bietet rund 200 Etiketten.
Reservierung empfohlen.
Bistrò del Borgo – Aperitivo mit Aussicht
Etwa 2,5 Kilometer von der Foresteria entfernt, an der Straße nach San Giorgio, bietet das Bistrò del Borgo einen wunderschönen Ausblick über die Landschaft bis zum Gardasee.
Zum Aperitivo kann man aus verschiedenen Bruschette wählen. Auf der Tageskarte findet sich gelegentlich auch Pastissada di cavallo beziehungsweise Pastissada de caval, ein traditionelles Pferdefleischragout aus Verona.
Übernachten im Valpolicella: La Foresteria Serego Alighieri
Mitten in den Weinbergen von Sant’Ambrogio di Valpolicella liegt die Foresteria Serego Alighieri. Das historische Weingut ist seit Generationen mit der Familie der Nachfahren Dante Alighieris verbunden. Alte Gemäuer, Innenhöfe und die umliegenden Weinberge prägen die Atmosphäre des Anwesens.
Die acht großzügigen Appartements sind im Landhausstil eingerichtet und verfügen über eine eigene Küche oder Kochnische.
Das Frühstück wird im historischen Ambiente beziehungsweise auf der Terrasse serviert. Auf einem kleinen Buffet stehen Croissants – mit Puderzucker oder gefüllt –, Brötchen, Käse, Obst, Joghurt und weitere Frühstücksklassiker bereit.
Auf dem Anwesen befindet sich auch der Weinshop von Serego Alighieri, in dem Verkostungen stattfinden. Wir waren zweimal zum Aperitivo dort und haben in aller Ruhe verschiedene Weine aus dem Sortiment probiert.
Travel in Style Check
La Foresteria Serego Alighieri
✅ Geeignet für: Paare, Weinliebhaber und Individualreisende
🛋️ Atmosphäre: Historisches Weingut mitten in den Weinbergen
📍 Lage: Sehr guter Ausgangspunkt für Touren durch das Valpolicella
🚶 Umgebung: Weinberge, kleine Orte und Restaurants. Mietwagen für Tagesausflüge sinnvoll.
✨ Was überzeugt? Die besondere Verbindung aus historischem Anwesen, Wein und ruhiger Lage sowie die großzügigen Appartements
🔁 Würde ich wieder buchen?
🟢 Ja – jederzeit.
Praktische Tipps für die Reise ins Valpolicella
Anreise
Direktflüge von Deutschland nach Verona gibt es aktuell ab Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf, Köln/Bonn, Hamburg und Stuttgart, beispielsweise mit Lufthansa / Air Dolomiti und Eurowings. Zusätzlich gibt es saisonale Angebote sowie Umsteigeverbindungen.
Der Flughafen Verona ist etwa 20 km von der Foresteria Serego Alighieri entfernt. Wir haben am Flughafen Verona ein Auto gemietet.
Reisezeit
Die beste Reisezeit für die Weinregion Valpolicella sind die Monate April / Mai bis Juni sowie September bis Oktober. Im Herbst ist auch die Zeit der Weinlese.
Literatur-Tipps
Mit diesen Buch-Empfehlungen können Sie sich auf die Reise einstimmen:
Ernest Hemingway
Über den Fluss und in die Wälder
In diesem melancholischen Spätwerk setzt der Nobelpreisträger seiner großen Liebe zu Norditalien und den rubinroten Weinen des Valpolicella ein unvergessliches literarisches Denkmal.
Hanns-Josef Ortheil
Der von den Löwen träumte
Diese Erzählung fängt das magische Licht, die Düfte und die tiefe Lebensfreude des Venetos so bildhaft ein, dass beim Lesen sofort Sehnsucht nach den veronesischen Hügeln aufkommt.
Johann Wolfgang von Goethe
Italienische Reise
Der zeitlose Klassiker zeigt voller Staunen, dass die Magie der Valpolicella-Weinberge und die Leichtigkeit Veronas seit Goethes historischer Durchreise im Jahr 1786 völlig unverändert geblieben sind.
Kombi-Tipp Gardasee & Verona
Wer nach ein paar Tagen zwischen Weinbergen noch etwas mehr von Norditalien sehen möchte: Verona liegt direkt vor der Tür, und auch der Gardasee ist schnell erreicht. Malcesine, der Monte Baldo und Verona lassen sich ideal mit einem Aufenthalt im Valpolicella verbinden – und zwar besonders außerhalb der Sommerferienzeit, wenn die schönsten Orte am See nicht überlaufen und Parkplätze Mangelware sind.